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Fröhliches Wuffnachten - Kalles Feiertagssurvival

Marike von animari

Ich bin Kalle – und Weihnachten aus Hundesicht ist ganz schön aufregend! Zwischen Plätzchenduft, Geschenkpapier und Besuch erzähle ich meine wufftastische Feiertagsstory und verrate mit Humor, wie Weihnachten auch für Hunde entspannt bleibt.


Zwischen Baum, Braten und Besuch


Ich heiße Kalle, bin mittelgroß, grau meliert und habe mehr Lebenserfahrung, als mein schnuffiges Äußeres vermuten lässt. Es ist nicht mein erstes Weihnachten. Ich habe bereits drei Tannenbäume überlebt, zwei Krippenfiguren angekaut und eine opulente Festtafel umgeworfen, weil ich die Katze von Tante Irmtraut jagen musste. Oder würdest DU dich in deinem Zuhause permanent beleidigen lassen? WUFF! Ich zumindest nicht. So nämlich.


Kurz: Ich weiß Bescheid. Und genau deshalb sitze ich jetzt auf meiner Decke, betrachte das alljährliche Ritual meiner Menschen und denke mir: „Ach ja, die Zeit, in der alle so tun, als wären sie ruhig und besinnlich, während der Puls im Doppeltakt bellt.“


Es beginnt immer mit der Kistenschlacht. Wochen vor dem großen Abend verwandeln meine Menschen die Wohnung in ein Lager für glänzende Dinge, die man auf keinen Fall berühren darf. Für mich ist es eine Laufstrecke mit neuen Hindernissen. Da ein Karton, dort eine Lichterkette, die aussieht wie eine elektrische Schlange. Ich versuche, unauffällig zu bleiben. Nicht wedeln. Nicht schubsen. Nicht neugierig schnüffeln. Ich scheitere. Regelmäßig. Aber ganz ehrlich: Wenn es glitzert und raschelt? Wie sollte ich NICHT?


Dann kommt der Baum. Die Menschen tragen ihn herein, als hätten sie den heiligen Gral gefunden. Ich schnuppere auch ehrfürchtig: Wald, Harz, kalte Luft. Ich würde schwören, er erzählt von Rehen, Moos und einem Fuchs, der mal ganz nah war. Stattdessen landet er in einem Metallständer, bekommt eine Lichterkrone und – halt dich fest – Kugeln. Gläserne Bälle, die beim leisesten Wedeln die Glocken der Panik läuten. „Kalle, nicht!“, ruft jemand, und ich verstehe: Es ist wieder soweit. Der Baum gehört allen und gleichzeitig niemandem. Er ist wie ein Haustier, das ich nicht begrüßen darf. Kein Nasenstupser, kein Pfotencheck. Und das Wasser in seinem Topf ist verboten, obwohl es absolut nach „Natur“ riecht. Ich trinke demonstrativ aus meiner Schüssel und versuche, so zu tun, als wäre ich erwachsen.


Die Gästeliste ist der zweite Akt. Plötzlich erscheinen Menschen, die ich seit dem letzten Winter nicht gesehen habe. Sie riechen nach kalter Luft, langen Autofahrten und fremden Hunden. Einige tragen dicke Mäntel mit weiten Kapuzen, die mag ich nicht. Vermummte Menschen sehen gruselig aus. Andere beugen sich in langsamen Wellen zu mir herunter, sprechen in hoher Stimme, nennen mich „Knödel“, obwohl ich Kalle heiße, und halten mir Hände unter die Nase, die nach Vanillekipferln duften. Vanillekipferl sind kein Hundefutter, das weiß ich inzwischen. Ich ziehe mich dann gern etwas zurück. Nicht, weil ich unfreundlich bin, sondern weil mir die Drehzahl der Menschen zu hoch ist. Alles leuchtet, alles raschelt, überall rasen Absätze über Parkett. Und ich, sehr professionell, übe die Kunst des „Unsichtbarseins“ auf meiner Decke: Kopf ablegen, Ohren halb, Augen zu, aber hören. Immer hören.


Am stressigsten ist die Tür. Es klingelt. Dann nochmal. Dann nochmal. Die Menschen freuen sich wie Welpen. Ich dagegen denke: „Eine Klingel ist eine Frage: Gefahr oder Besuch?“ Und ich weiß nicht, wie viele Fragen ich an einem Abend beantworten kann. Manchmal, und das ist mittlerweile unser Trick, kleben meine Menschen einen Zettel an die Tür: „Bitte nicht klingeln. Hund im Entspannungsmodus.“ Ich feiere dieses Blatt Papier. Es ist das Einzige an der Deko, das wirklich für mich ist.


Überhaupt: Routinen. Du denkst vielleicht, es sind nur ein paar Tage, an denen alles anders läuft. Aber für uns Hunde ist „anders“ selten „entspannter“. Spaziergänge verschieben sich, weil die Soße noch nicht eingekocht ist. Die Kekse nicht verbrennen dürfen. Draußen ist es früh dunkel, und irgendwo probt schon jemand das Silvesterkonzert mit Knallern in Moll. Dann habe ich Angst. Ich gehe gern früher raus, wenn noch keine leuchtenden Schneemänner in Vorgärten stehen und keine blinkenden Rentiere pfeifen. Und ich laufe an solchen Tagen am liebsten an der Leine – neue Geräusche, fremde Gerüche, viele Menschen: Das ist ein Horrorfilm in Überlänge. Auch ich kann gestresst sein.


Dann die Küche. Ich nenne sie den Tempel der Gerüche. Butter, Zimt, Bratensoße, Köstlichkeiten aus dem Ofen. Ich weiß längst: Nicht alles, was von Menschen gefeiert wird, ist für mich geeignet. Schokolade ist tabu. Rosinen auch. Knochen vom Braten sind etwas, über das die älteren Hunde mit rauer Stimme sagen: „Lass es, Junge.“ Also mache ich das, was höfliche Hunde machen: Ich liege in Türrahmen, außerhalb der Gefahrenzone, und übernehme meine wichtigste Aufgabe – Warten. Warten ist eine Kunst. Und manchmal fällt ein Karottenstück herunter. Dann fühle ich mich, als hätte ich Weihnachten verstanden.


Zwischendurch folgt das Geschenkegewitter. Es raschelt, es reißt. Menschen jubeln über Dinge, die nicht riechen und sich nicht bewegen. Ich bekomme meist etwas Weiches. Eine neue Decke. Oder ein Kausnack, der nach dem riecht, was draußen unterwegs ist, wenn es dämmert. Ich nehme das Geschenk und trage es in Sicherheit. Es ist, als würden alle kurz kindlich. Das mag ich. Da sind sie am nächsten an uns. Pure Freude, ohne Kalender. Nur… macht bitte den Knoten an der Geschenkbandrolle doppelt fest. Sonst frisst ihn jemand, der Kalle heißt. Und der bekommt dann Bauchweh. Hypothetisch.


Was mich immer wieder fasziniert: Besinnlichkeit. Die Menschen reden viel darüber. „Besinn dich“, sagen sie. „Runterfahren“, „Genießen“. Sie zünden Kerzen an, singen Lieder, machen Fotos, löschen Kerzen (zum Glück) und sagen: „So schön.“ Ich schaue zu, höre diesen Satz und denke: Genau. So schön. Wenn ich meine Decke habe. Wenn ich meinen Rückzugsort behalten darf. Wenn mich niemand in ein Elfenoutfit steckt, das meine Beine zu Witzfiguren macht. Vertrauen ist kein Spielzeug. Ich verleihe es euch jeden Tag, ohne Pfand. Bitte pass gut darauf auf.


Es gibt auch diese stillen Momente. Draußen tickert der Frost in den Hecken, drinnen atmen alle langsamer. Meine Menschen sitzen nebeneinander, reden leiser, ihr Geruch wird warm und ruhig. Ich rutsche dann näher. Manchmal lege ich meine Pfote auf einen Fuß, als Erinnerung: „Ich bin da. Und übrigens: Das ist das eigentliche Geschenk – wir zusammen, ohne dass etwas bimmelt.“ Dann schlafen einige Leute auf Sofas in seltsamen Winkeln ein, und ich bewache die offene Seite. Den Baum auch. Vielleicht habe ich ihn am Ende doch ein bisschen lieb.


Falls du mich fragst, wie die perfekten Feiertage aus Hundesicht aussehen? Ein paar kleine Absprachen helfen: Spaziergänge einplanen, bevor der Trubel losgeht. Einen festen Rückzugsort lassen, an dem ich nicht „bespielt“ werde. Die Klingel entschärfen, wenn ich bei jedem Ding-Dong denke, es beginnt eine Schlacht. Kerzen dort aufstellen, wo mein Schwanz nicht hinwedelt. Essen, das auf den Teller gehört, auf dem Teller lassen, nicht auf Bodenhöhe. Und wenn ich mal durchatmen möchte, lass mich. Ich komme wieder. Ich komme immer wieder.


Kurz, knapp, ohne Lametta, dafür mit Hundeverstand. Weihnachtsregeln von Kalle für Zweibeiner:


1. Rückzugsort lassen
Wenn alles funkelt, raschelt und Menschen überall auftauchen, brauche ich einen festen Platz, an dem ich einfach Hund sein darf. Ohne Besuchshände, ohne „Komm mal her!“, ohne Drama.

2. Spaziergänge klug planen
Auch wenn die Welt nach Glühwein, Bratwurst und Menschenmassen riecht: Weihnachtsmärkte, Drängeln, Gedränge – das ist nicht für jeden Hund ein Fest.

3. Ich rieche Stress – euren.
Ihr merkt vielleicht, dass ihr angespannt seid. Ich merke es, bevor ihr es merkt. Cortisol, Anspannung, Aufregung, alles ist für Hundenasen so klar wie Parfüm im Aufzug. Mal locker durchatmen, dann wirds leichter für mich UND für euch.

4. Kostüme? Nur, wenn ich sie wirklich will.
Wenn ich kein Rentier sein möchte, dann bin ich keins. Kostüme dürfen mich niemals einengen, kratzen oder meine Körpersprache verfälschen.

5. Gefährliche Leckereien ignorieren
Schokolade, Rosinen, Plätzchen, Knochen vom Braten – nichts davon gehört in meinen Hundemagen. Auch wenn ich gucke, als hätte ich eine Shakespeare-Tragödie gelebt.

6. Kerzen im Blick behalten
Meine Rute ist ein Instrument des Chaos. Offene Flamme + wedelnde Freude = schlechte Kombination. LED-Lichter sind meine Freunde.

7. Besuch in meinem Tempo
Ich muss nicht jeden sofort begrüßen. Manche Menschen mag ich, manche nicht – und manche riechen nach Katzen. Lass mich selbst entscheiden, ob ich Nähe oder Abstand will.

8. Jeder Hund ist anders
Manche frieren schnell, manche werden von Veränderungen nervös, manche nehmen das Fest einfach hin wie eine neue Couchdecke. Behalte mich gut im Auge, meine Reaktion ist wichtiger als irgendeine Erwartung.

9. Wenn der Baum so gut riecht…
Dann riecht er gut. Sehr gut. Unverschämt gut. Wenn ich einmal dran schnuppere oder etwas ankauen möchte, erinnere dich daran, dass ich ein Hund bin. Kein Dekoexperte. Ein bisschen Nachsicht lohnt sich.

10. Routine rettet Weihnachten
Auch wenn alles etwas anders läuft: feste Zeiten für Spaziergänge, Fressen und Ruhe helfen mir, nicht völlig den Überblick zu verlieren.


So. Und jetzt zurück zur Geschichte. Einer muss hier schließlich den Überblick behalten und das bin meistens ich. Wuff!

Weihnachten ist für mich ein Geruch: warm, würzig, vertraut. Es ist ein Geräusch: euer Lachen, tiefer als im Sommer. Und es ist ein Gefühl: Ich gehöre dazu, auch wenn ich nicht alle Regeln verstehe. Wenn ihr wollt, dass es für uns Hunde wirklich „besinnlich“ wird, dann denkt daran: Wir lesen die Welt über die Nase, die Ohren, den Bauch. Wir können lernen, dass der Baum nicht für uns ist. Dass Geschenkpapier kein Futter ist. Dass Besuch ok ist. Aber ihr gebt den Takt vor. Und ich tanze mit, gern, aber bitte in meinem Tempo.


Ich bin Kalle. Ich habe drei Tannenbäume überlebt, zwei Krippenfiguren geschmeckt, unzählige Kekse NICHT gegessen und gelernt, dass Besinnlichkeit am besten riecht, wenn alle langsam werden. Wenn du das nächste Mal sagst: „So. Jetzt genießen wir.“ – dann lege ich mich dichter an dich, atme einmal tief ein und denke: Endlich. Jetzt ist wirklich Weihnachten.


Autor: Marike Kinze


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